Das Element Wasser spielt für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen seit jeher eine entscheidende Rolle. In der Schweiz zeugen die Überreste prähistorischer Pfahlbauten von der Siedlungsgeschichte der ersten Ackerbauern und Viehzüchter. Wasser ist aber nicht nur Ursprung des Lebens und Sehnsuchtsort, sondern auch Naturgewalt. Siedlungen und Städte vieler Hochkulturen entstanden an Flüssen, Seen und am Meer – was immer Anpassung und Gestaltungswillen erforderte – mit einem Element, das sich nie ganz beherrschen lässt.
Wasser beeinflusst die Form und Funktion von Gebäuden und ganzen Stadtlandschaften. Wir sind in diesem Heft unterschiedlichen Spuren nachgegangen – unsere Autorinnen und Autoren erörtern zum Beispiel die Frage, wie der Limmatraum als Innenraum der Stadt Zürich im 19. und 20. Jahrhundert gestaltet und umgestaltet wurde und wie sich daraus die architektonischen und städtebaulichen Leitbilder der jeweiligen Zeit ablesen lassen.
Seebäder, Flussbäder und die seit dem 20. Jahrhundert entstandenen Freibäder wiederum sind Bauaufgaben und illustrieren als Teil einer Freizeitkultur anschaulich Sozialgeschichte. Kurorte und Grandhotels machten Quellen und Seen zu Orten der Erholung und Begegnung – gleichzeitig spiegelten sie die Sehnsucht nach Freiheit. Und die Gestaltung von Ufern bringt heute mehr denn je gesellschaftliche Fragen nach dem Zugang zu Wasser mit sich, nach dessen Verfügbarkeit und der Frage, wie viel Natur denn noch bleiben sollte.
Essay | Essai | Saggio
Paulina Minet
Zwischen Nähe und Entzug
Architektur am Wasser
Lead
Oszillierend wie die Spiegelung eines Gebäudes in der Wasseroberfläche ist auch das Verhältnis von Architektur und Wasser. Am Wasser zu bauen bedeutet, sich auf ein Element einzulassen, das keine feste Form oder Verträge kennt. Wasser verändert sich, es steigt, es fällt, es erinnert nicht. Trotz allem schreiben sich Architekturen seit Jahrtausenden in diese bewegte Fläche ein und reagieren auf sie – widerständig, tastend oder hoffnungsvoll.
Dossier 1
Melchior Fischli
Die «freie» und die bebaute Limmat
Debatten und Projekte zum Flussraum als Zürcher Stadtzentrum im 20.Jahrhundert
Lead
Seit dem Mittelalter bildete der Limmatraum einen eminent wichtigen Innenraum der Stadt Zürich, der mit einer Vielzahl von gewerblichen wie auch öffentlichen Nutzungen belegt war. Nachdem sich um 1900 die Tendenz zur Ausräumung des Flusses verstärkt hatte, setzte wenig später eine Gegenbewegung ein, die im überbauten Limmatraum umgekehrt ein wesentliches Charakteristikum des Zürcher Stadtbilds sah. In diesem Spannungsfeld entstand im Lauf des 20. Jahrhunderts eine ganze Anzahl von Bauten und noch mehr unrealisierten Projekten, an denen sich die bisweilen heftigen Debatten um die Gestalt und Funktion dieses zentralen Stadtraums wie auch die wechselnden architektonischen und städtebaulichen Leitbilder ablesen lassen.
Dossier 2
Jonas Schädler
Baden in der Limmatstadt
Eine kleine Typologie der Stadtzürcher Badeanstalten
Lead
Zürichs Stadtbild ist von Gewässern geprägt: Zürichsee, Limmat und Sihl sind die bekanntesten. Hinzu kommen Schanzengraben, Katzensee und Glatt sowie Dutzende Bachläufe. Viele dieser Gewässer laden an heissen Sommertagen zum Abkühlen ein. Elf öffentliche Flussund Seebäder sowie sieben Freibäder dienen diesem Zweck – viele davon zählen heute als Denkmäler. Die Dichte an sommerlichen Bademöglichkeiten ist damit ausserordentlich hoch. Das war nicht immer so, wie der Blick in die Geschichte des Badens in der Limmatstadt zeigt.
Dossier 3
Tilo Richter
«Pack die Badehose ein!»
Freibäderkultur in und um Basel im Wandel der Zeit
Lead
Basel-Stadt ist der am dichtesten besiedelte Kanton der Schweiz: Auf einer Fläche von lediglich 37 Quadratkilometern leben mehr als 210 000 Menschen. An heissen Sommertagen ist Abkühlung gefragt. Neben den städtischen Gartenbädern und den Rheinbadhäusern gibt es an den Stadträndern das mehr als 120 Jahre alte Sonnenbad St.Margarethen in Binningen BL und das 2014 eröffnete Naturbad Riehen von Herzog&de Meuron. Das Sonnen bad soll er neuert werden, und auf dem Dreispitz Basel und Münchenstein wird mit dem Gleispool bis Mitte 2027 ein 170 Meter langes Naturbad auf einer ehemaligen Eisenbahnrampe gebaut.
Dossier 4
Bénédict Frommel
Les contours redessinés du Léman genevois
XVIIIe-XXe siècles : la diffusion du mur «pieds dans l’eau »
Zusammenfassung
Die neu gestalteten Ufer des Genfersees
Bereits an der Wende zum 18.Jahrhundert wurden die Ufer des Genfersees aufgrund der sich wandelnden Nutzungen allmählich neu gestaltet. Bei diesen Umgestaltungen nahm das neue Ufer die Form einer oberflächlichen Aufschüttung an, die oft von einer direkt am Wasser stehenden Mauer gestützt wurde. Wurde die Gestaltung zum See hin erweitert, so kam es oft zum Bau einer ergänzenden Terrasse oder eines Schutzstegs. In den aller meisten Fällen gehören diese Bau werke zu einer Typologie, die noch wenig erforscht und im Hinblick auf das Kulturerbe kaum anerkannt ist.
Dossier 5
Desire Lüber
Bauen für sauberes Wasser
Abwasserreinigungsanlagen in der Schweiz
Lead
Täglich werden in der Schweiz rund 162 Liter Trinkwasser pro Person verbraucht. Das daraus entstehende Abwasser wird landesweit in rund 800 Kläranlagen gereinigt. Als Schlüsselelement im Netzwerk der Abwasserentsorgung tragen diese Infrastrukturbauten wesentlich zum Schutz vor Krankheiten und zur Reinhaltung der Gewässer bei. Sie gehören daher zu den wichtigsten ingenieurtechnischen Bauaufgaben der Nachkriegszeit in der Schweiz.
Interview | Interview | Intervista
Intervista doppia a Alma Sartoris e Aurelio Muttoni
Una vita a filo d’acqua
Infrastrutture e pericoli naturali
Dalla Buzza di Biasca del 1515 fino alla valanga di Bondo del 2017 e alle alluvioni dell’estate 2024, da sempre le regioni alpine si confrontano con la forza della natura. In queste pagine presentiamo l’analisi di due esperti che, nel loro lavoro quotidiano, osservano e affrontano le sfide che la natura pone alla vita umana sul territorio. Intervista alla geografa Alma Sartoris e all’ingegnere Prof. Aurelio Muttoni.
Dossier 6
Hélène Blitte
Habiter sur l’eau à la Préhistoire ?
Révélation(s) d’un patrimoine aux multiples richesses.
Zusammenfassung
Leben auf dem Wasser in prähistorischer Zeit?
Anfang 1854 wurden am Ufer des Zürichsees Dutzende von Holzpfählen und uralten Gegenständen entdeckt. Diese Funde wurden von Ferdinand Keller, dem Gründer der Zürcher Antiquarischen Gesellschaft, rasch als Überreste prähistorischer Behausungen identifiziert. Im ganzen Land wurden Tausende solcher Überreste ausgegraben, was unter Gelehrten ein «Seefieber» auslöste und die Gesellschaft während der gesamten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste. Naturforscher brachten ihr Wissen ein, um die in den feuchten Sedimenten erhaltenen organischen Überreste zu identifizieren. Dies war die Geburtsstunde der Archäobotanik und der Archäozoologie. Die Seezeitkultur wird zum idealen Vorfahren für die junge Schweizerische Eidgenossenschaft auf der Suche nach nationaler Identität. Ein wahrer Mythos entsteht. Diese heute teilweise unter Schutz stehenden, aussergewöhnlichen Fundstätten aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit haben noch lange nicht alle ihre Schätze preisgegeben.
Aktuell | Actuel | Attuale
Billet de la présidente
Zum Abschluss sehen und gesehen werden
Nicole Pfister Fetz, lic.phil.I, bis 6.Juni 2026 Präsidentin GSK
Aktuell | Actuel | Attuale
Michael Leuenberger
Eine stimmungsvolle GV in Baden
Die 146.Jahresversammlung der GSK in der Aula des Martinsbergs in Baden fand bei frühsommerlichem Wetter statt. Führungen durch die Stadt, zu Bädern und historischen Hotelsälen schärften den Blick aufs Kulturerbe und boten Raum für persönliche Begegnungen.
Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Valeria Frei
Oltre i confini del museo: il parco protagonista a Villa dei Cedri di Bellinzona
Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Isabelle Roland
L’église catholique SaintMartin de Lutry Paudex
Ausstellungen | Expositions | Esposizioni
Otto Nebel. Farbe Sprache Form
Otto Nebel war Maler, Dichter und eine der eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten der Moderne. Seit 1933 als Flüchtling in der Schweiz, fand er in Bern zu einer reifen und unverwechselbaren Bildsprache. Die aktuelle Ausstellung im Schloss Spiez lädt dazu ein, den Künstler neu zu entdecken.
Auslandreisen der Reisehochschule Zürich
- Pharaonisches Ägypten
Mit Kreuzfahrt auf dem Nasser-Stausee nach Abu Simbel - Venezianische Perlen
Geschichte und Geschichten der Lagunenstadt
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