k+a 2026.2 : Bauen am Wasser | Construire au bord de l’eau | Costruire sull’acqua

Cover k+a 2026.2 «Bauen am Wasser | Construire au bord de l’eau | Costruire sull’acqua»

Das Element Wasser spielt für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen seit jeher eine entscheidende Rolle. In der Schweiz zeugen die Überreste prähistorischer Pfahlbauten von der Siedlungsgeschichte der ersten Ackerbauern und Viehzüchter. Wasser ist aber nicht nur Ursprung des Lebens und Sehnsuchtsort, sondern auch Naturgewalt. Siedlungen und Städte vieler Hochkulturen entstanden an Flüssen, Seen und am Meer – was immer Anpassung und Gestaltungswillen erforderte – mit einem Element, das sich nie ganz beherrschen lässt.

Wasser beeinflusst die Form und Funktion von Gebäuden und ganzen Stadtlandschaften. Wir sind in diesem Heft unterschiedlichen Spuren nachgegangen – unsere Autorinnen und Autoren erörtern zum Beispiel die Frage, wie der Limmatraum als Innenraum der Stadt Zürich im 19. und 20. Jahrhundert gestaltet und umgestaltet wurde und wie sich daraus die architektonischen und städtebaulichen Leitbilder der jeweiligen Zeit ablesen lassen.

Seebäder, Flussbäder und die seit dem 20. Jahrhundert entstandenen Freibäder wiederum sind Bauaufgaben und illustrieren als Teil einer Freizeitkultur anschaulich Sozialgeschichte. Kurorte und Grandhotels machten Quellen und Seen zu Orten der Erholung und Begegnung – gleichzeitig spiegelten sie die Sehnsucht nach Freiheit. Und die Gestaltung von Ufern bringt heute mehr denn je gesellschaftliche Fragen nach dem Zugang zu Wasser mit sich, nach dessen Verfügbarkeit und der Frage, wie viel Natur denn noch bleiben sollte.

 

Essay | Essai | Saggio
Paulina Minet
Zwischen Nähe und Entzug
Architektur am Wasser

Zusammenfassung
Wasser ist der Ursprung des Lebens, Sehnsuchtsort und Naturgewalt – die Architektur bewegte sich über Jahrtausende hinweg in diesem Spannungsfeld. Seit den ersten Hochkulturen errichteten Menschen ihre Häuser, Städte und Infrastrukturen an Flüssen, Seen oder Küsten und agierten stets zwischen Anpassung und Kontrolle. Von Pfahlbauten über römische Aquädukte hin zu modernen Uferpromenaden zeigt sich: Bauen am Wasser bedeutet immer, auf ein Element zu reagieren, das sich der Beherrschung entzieht.
Wasser wurde nicht nur als technische Ressource betrachtet, sondern als kultureller und sozialer Raum. Badeanstalten, Kurorte und Grandhotels verwandelten Quellen und Seen in Orte der Erholung, der Begegnung und spiegelten die Sehnsucht nach Freiheit. Gleichzeitig offenbart die Gestaltung von Ufern bis heute gesellschaftliche Fragen: Wem gehört das Wasser? Wer hat Zugang? Wie viel Natur bleibt?
Überschwemmungen, Murgänge und schmelzende Gletscher als Folgen des Klimawandels zeigen, dass die Ungewissheit bleibt. So gibt die Geschichte des Bauens am Wasser Antworten des menschlichen Umgangs mit Natur, Risiko und Hoffnung. Die Frage ist nicht, ob wir weiter am Wasser bauen werden, sondern wie.

 

Dossier 1
Melchior Fischli
Die «freie» und die bebaute Limmat
Debatten und Projekte zum Flussraum als Zürcher Stadtzentrum im 20.Jahrhundert

Zusammenfassung
Seit dem Mittelalter bildete der Limmatraum einen eminent wichtigen Innenraum der Stadt Zürich, der mit einer Vielzahl von gewerblichen wie auch öffentlichen Nutzungen belegt war. Bauten standen hier nicht nur am Wasser, sondern waren teilweise auch auf das Wasser hinaus gebaut. Nachdem sich um 1900 die Tendenz zur Ausräumung des Flusses verstärkt hatte, setzte wenig später eine Gegenbewegung ein, die im überbauten Limmatraum umgekehrt ein wesentliches Charakteristikum des Zürcher Stadtbilds sah. In diesem Spannungsfeld entstand im Lauf des 20. Jahrhunderts eine ganze Anzahl von Bauten und noch mehr unrealisierten Projekten, an denen sich die bisweilen heftigen Debatten um die Gestalt und Funktion dieses zentralen Stadtraums wie auch die wechselnden architektonischen und städtebaulichen Leitbilder ablesen lassen.

 

Dossier 2
Jonas Schädler
Baden in der Limmatstadt
Eine kleine Typologie der Stadtzürcher Badeanstalten

Zusammenfassung
Lange Zeit wurde in Zürich nur in Badestuben gebadet. Im Zug der Industrialisierung nahm die Hygiene aber einen immer wichtigeren Stellenwert ein, was zur Einrichtung öffentlicher Badeanstalten führte. Kastenbäder wurden im See oder mitten im Fluss aufgestellt, der Besuch war reglementiert und die Bäder nach Geschlechtern getrennt. Mit der Reformbewegung veränderten sich die Bedürfnisse: Sonnenbaden und Körperkult führten zur Entwicklung des Seebads. Dieses stand allen Geschlechtern offen und bot eine Vielzahl von Freizeitbeschäftigungen. Fernab von natürlichen Gewässern entstand in den schnell wachsenden Aussenquartieren in der Nachkriegszeit das Freibad. Dieses sollte – anders als das Seebad – auch eine Quartierzentrumsfunktion übernehmen und Park, Badeanlage und Sportplatz in einem sein. Bäder aus allen Epochen sind heute kulturgeschichtliche Zeugen ihrer Zeit. Viele sind als Denkmäler anerkannt

 

Dossier 3
Tilo Richter
«Pack die Badehose ein!»
Freibäderkultur in und um Basel im Wandel der Zeit

Zusammenfassung
Basel-Stadt ist der am dichtesten besiedelte Kanton der Schweiz: Auf einer Fläche von lediglich 37 Quadratkilometern leben mehr als 210’000 Menschen. An heissen Sommertagen ist Abkühlung gefragt. Von den einst vier Rhein-Badeanstalten des 19. Jahrhunderts sind heute noch zwei erhalten. Daneben gibt es drei öffentliche Gartenbäder auf Basler Stadtgebiet und ein weiteres in Bettingen. An Basels Rändern liegen zudem das über 120 Jahre alte Sonnenbad Margarethen in Binningen BL und das 2014 eröffnete Naturbad Riehen von Herzog & de Meuron, das ein konventionelles Freibad ersetzte.
Im Sommer 2027 soll ein weiterer Bade- und Schwimmort an ungewöhnlicher Stelle hinzukommen: Auf dem Entwicklungsgebiet Dreispitz Basel-Münchenstein realisiert die Christoph Merian Stiftung den «Gleispool», ein 170 Meter langes Schwimmbecken in einer ehemaligen Eisenbahnunterführung, das nach Entwürfen von Malheur & Fortuna gebaut wird. Parallel dazu laufen die Planungen für die umfassende Erneuerung des Sonnenbads Margarethen durch das Büro Patrick Reuter Architektur. Die drei Projekte in Riehen, Binningen und Münchenstein verbinden der ökologisch nachhaltige Umgang mit biologisch aufbereitetem Wasser sowie eine sorgfältige architektonische Gestaltung und Materialisierung der Bauten rund um die Schwimmbecken.

 

Dossier 4
Bénédict Frommel
Les contours redessinés du Léman genevois
XVIIIe-XXe siècles : la diffusion du mur «pieds dans l’eau »

Zusammenfassung
Die neu gestalteten Ufer des Genfersees
Bereits an der Wende zum 18.Jahrhundert wurden die Ufer des Genfersees aufgrund der sich wandelnden Nutzungen allmählich neu gestaltet. Bei diesen Umgestaltungen nahm das neue Ufer die Form einer oberflächlichen Aufschüttung an, die oft von einer direkt am Wasser stehenden Mauer gestützt wurde. Wurde die Gestaltung zum See hin erweitert, so kam es oft zum Bau einer ergänzenden Terrasse oder eines Schutzstegs. In den aller meisten Fällen gehören diese Bau werke zu einer Typologie, die noch wenig erforscht und im Hinblick auf das Kulturerbe kaum anerkannt ist.

 

Dossier 5
Desire Lüber
Bauen für sauberes Wasser
Abwasserreinigungsanlagen in der Schweiz

Zusammenfassung
Hygiene und sauberes Wasser gehören zu den wichtigsten Bedürfnissen des Menschen. Deshalb sind Abwasserreinigungsanlagen, obwohl thematisch oft verdrängt, eine der wichtigsten baulichen Errungenschaften der westlichen Konsumgesellschaft, wie sie sich mit der Industrialisierung ab dem 19. Jahrhundert entwickelte und in den Boomjahren nach 1945 intensivierte. In ihren Entwicklungsschüben dokumentieren die Anlagen der 1970er bis 1990er Jahre das veränderte Verständnis und Verhältnis zur Umwelt sowie das Bewusstwerden der Endlichkeit von Ressourcen. Obschon Abwasserreinigungsanlagen primär als infrastrukturelle Bauten und damit Ingenieursbauten zu verstehen sind, wurde ihre gesellschaftliche Relevanz durchaus mit architektonischen Massnahmen hervorgehoben. Durch ihren Standort an Gewässerräumen gestalten sie zudem deren Umgebung mit. In der gesellschaftsrelevanten Bautypologie der Abwasserreinigungsanlagen verbinden sich damit Infrastruktur, Architektur und Landschaft.

 

Interview | Interview | Intervista
Intervista doppia a Alma Sartoris e Aurelio Muttoni
Una vita a filo d’acqua
Infrastrutture e pericoli naturali

Dalla Buzza di Biasca del 1515 fino alla valanga di Bondo del 2017 e alle alluvioni dell’estate 2024, da sempre le regioni alpine si confrontano con la forza della natura. In queste pagine presentiamo l’analisi di due esperti che, nel loro lavoro quotidiano, osservano e affrontano le sfide che la natura pone alla vita umana sul territorio. Intervista alla geografa Alma Sartoris e all’ingegnere Prof. Aurelio Muttoni.

 

Dossier 6
Hélène Blitte
Habiter sur l’eau à la Préhistoire ?
Révélation(s) d’un patrimoine aux multiples richesses.

Zusammenfassung
Leben auf dem Wasser in prähistorischer Zeit?
Anfang 1854 wurden am Ufer des Zürichsees Dutzende von Holzpfählen und uralten Gegenständen entdeckt. Diese Funde wurden von Ferdinand Keller, dem Gründer der Zürcher Antiquarischen Gesellschaft, rasch als Überreste prähistorischer Behausungen identifiziert. Im ganzen Land wurden Tausende solcher Überreste ausgegraben, was unter Gelehrten ein «Seefieber» auslöste und die Gesellschaft während der gesamten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste. Naturforscher brachten ihr Wissen ein, um die in den feuchten Sedimenten erhaltenen organischen Überreste zu identifizieren. Dies war die Geburtsstunde der Archäobotanik und der Archäozoologie. Die Seezeitkultur wird zum idealen Vorfahren für die junge Schweizerische Eidgenossenschaft auf der Suche nach nationaler Identität. Ein wahrer Mythos entsteht. Diese heute teilweise unter Schutz stehenden, aussergewöhnlichen Fundstätten aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit haben noch lange nicht alle ihre Schätze preisgegeben.

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Billet de la présidente
Zum Abschluss sehen und gesehen werden
Nicole Pfister Fetz, lic.phil.I, bis 6.Juni 2026 Präsidentin GSK

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Michael Leuenberger
Eine stimmungsvolle GV in Baden
Die 146.Jahresversammlung der GSK in der Aula des Martinsbergs in Baden fand bei frühsommerlichem Wetter statt. Führungen durch die Stadt, zu Bädern und historischen Hotelsälen schärften den Blick aufs Kulturerbe und boten Raum für persönliche Begegnungen.

 

Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Valeria Frei
Oltre i confini del museo: il parco protagonista a Villa dei Cedri di Bellinzona

 

Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Isabelle Roland
L’église catholique SaintMartin de Lutry Paudex

 

Ausstellungen | Expositions | Esposizioni
Otto Nebel. Farbe Sprache Form

Otto Nebel war Maler, Dichter und eine der eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten der Moderne. Seit 1933 als Flüchtling in der Schweiz, fand er in Bern zu einer reifen und unverwechselbaren Bildsprache. Die aktuelle Ausstellung im Schloss Spiez lädt dazu ein, den Künstler neu zu entdecken.

 

Auslandreisen der Reisehochschule Zürich

  • Pharaonisches Ägypten
    Mit Kreuzfahrt auf dem Nasser-Stausee nach Abu Simbel
  • Venezianische Perlen
    Geschichte und Geschichten der Lagunenstadt

 

Impressum | Impressum | Colophon

Preis
CHF 22.00
GSK-Mitgliederpreis
CHF 16.00
Type:
Buch
Abbildungen
103
Seitenzahl
76
Autoren
Diverse
Artikelnummer
K+A-2026.2
Inhaltssprache
Deutsch
Französisch
Italienisch
Erscheinungsdatum
ISBN
978-3-03797-968-6
Bandnummer
77. Jahrgang, 2.2026
Verlag
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte