k+a 2021.2 : Natur und Architektur | Nature et architecture | Natura e architettura

Cover «k+a 2021.2 : Natur und Architektur | Nature et architecture | Natura e architettura»

   Die Verbindung zwischen Architektur und Natur ist ein uraltes Thema in allen Kulturkreisen: Wir kennen Naturoasen in römischen Atrien, arabischen Innenhöfen, christlichen Kreuzgängen und barocken Lustgärten. Symbiotisch verbinden sich Gegensätze – Innen und Aussen, Konstruktion und Ursprung –, in der Form sich gegenüberstehend, in der Funktionalität sich ergänzend. Die Variationen dieses Themas inspirierten unser Sommerheft. So etwa das Erstlingswerk des Architekten Elmar Kunz in Kappel – ein Wohnbau, der den Einfluss des finnischen Architekten Alvar Aalto greifbar macht und dessen grossen Einfluss auf den Natur- und Landschaftsbezug in der Architektur verdeutlicht. Ein inte grativer Ansatz, bei dem die Architektur den Zusam menklang mit der umgebenden Natur und Landschaft sucht.
   Dass angesichts aktueller Herausforderungen auch der Begriff des Organischen eine neue Dringlichkeit erhält, zeigt unsere Autorin Jolanthe Kugler in ihrem Beitrag zur Kolonie am Goetheanum in Dornach – Beispiel eines Gesamtkunstwerks, in dem sich Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen bis heute räumlich erfahren lässt.
   Und auch wenn es um das drängende Problem des Klimawandels und seine Auswirkungen auf die Architektur geht, so zeigen die Überlegungen von Sascha Roesler, der in Mendrisio zu diesem Thema forscht, dass ein dringend nötiger klimasensibler Städtebau viel lernen kann von einem interessierten Blick auf die historischen Entwicklungen.

 

Dossier 1
Michael Hanak
Aaltos Auffassung vom Naturbezug
Das Haus Kissling in Kappel SO

Zusammenfassung
Das Haus Kissling in Kappel bei Olten ist das Erstlingswerk des Architekten Elmar Kunz. Es ist eines der Bauwerke, welche die vielgestaltigen Verbindungen des berühmten finnischen Architekten Alvar Aalto zur Schweiz greifbar machen und dessen grossen Einfluss auf den Natur- und Landschaftsbezug in der Architektur verdeutlichen. Dabei geht es weniger um ein Bauen nach der Natur als vielmehr um einen integrativen Ansatz, bei dem die Architektur den Zusammenklang mit der umgebenden Natur und Landschaft sucht. Der Architekt entwickelte das Projekt 1968 und 1969 im intensiven Dialog mit der Bauherrschaft. Aktuell ist das Haus Kissling in Absprache mit den Erben für die Aufnahme in das Denkmalpflegeinventar des Kantons Solothurn vorgesehen.

 

Dossier 2
Jolanthe Kugler
Ein Modell für Nachhaltigkeit
Die Dornacher Anthroposophen-Kolonie und Rudolf Steiners organisch-lebendiger Architekturbegriff

Zusammenfassung
Im Angesicht aktueller Herausforderungen erfährt der Begriff des «Organischen» in Architektur und Städtebau eine Neubelebung. Während die der Natur abgeschauten technischen Strategien zur Lösung komplexer Problemstellungen immer nur Teilaspekte betrachten, so bietet die von den Pionieren des Organischen propagierte Definition vielfältige Ansatzpunkte für eine ganzheitliche Betrachtung von Nachhaltigkeit als kulturelle Transformation und umfassendes Zivilisationsprojekt. Ein ebensolches «Zivilisationsprojekt» ist die Wohnkolonie der Anthroposophen in Dornach. Bereits vor über hundert Jahren erbaut, ist sie ein Beispiel eines Gesamtkunstwerks, in dem sich Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen, sei es sozial, wirtschaftlich oder ökologisch, bis heute räumlich erfahren lässt.

 

Interview | Interview | Intervista
Michael Leuenberger
«Es geht um eine Neuerfindung des Wohnraums»

Mehr Hitzetage von Jahr zu Jahr: Architekten und Naturwissenschaftler beginnen sich über die thermische Diversität von Lebensräumen Gedanken zu machen. Sascha Roesler forscht dazu in Mendrisio und fordert einen klimasensiblen Städtebau, der die Wechselwirkungen zwischen innen und aussen berücksichtigt.

 

Essay | Essai | Saggio
Sascha Roesler
Die Idee der klimaangepassten Stadt
Anmerkungen zu ihrer jüngeren europäischen Geschichte

Zusammenfassung
Zeitgenössische Debatten zur Klimaanpassung der Städte erfolgen weitgehend unter Missachtung historischer Entwicklungen: Weder erscheint das thermische Erbe der Städte als schützenswert, noch wird eine Architekturgeschichte der Klimaanpassung ins Spiel gebracht, die diesen Namen verdient. Dieser Beitrag schildert drei wesentliche Aspekte der jüngeren europäischen Ideengeschichte der Klima-angepassten Stadt: Klimadeterminismus, empirische Stadtklimaforschung sowie evidenz-basiertes Entwerfen.

 

Dossier 3
Michael Chappuis
Geisendorf - l’école dans le parc
Comment la nature soutient la pédagogie

Zusammenfassung
Geisendorf, die Schule im Park – wie die Natur pädagogisch wirkt
Die Nachkriegszeit ist geprägt von einer Erneuerung in der Architektur, die nach den Jahren der Rezession leichtere Formen annimmt und sich wieder mit der Natur verbindet. Auch Schulgebäude bildeten hier keine Ausnahme und wurden in ihrer Struktur den neuen Herausforderungen angepasst, die sich aus Überlegungen zur ganzheitlichen Entwicklung von Schülern ergaben. In diesem Zusammenhang übersetzten die Architekten Georges Brera und Paul Waltenspühl diese neuen Bestrebungen in der zwischen 1952 und 1956 erbauten Schule im Park Geisendorf in Genf. Die Gebäude spielen mit der Vegetation des Parks und schaffen ein Spiel aus Formen, Farben und Licht, das den Ort mit Leben füllt. Das Licht ist unerlässlich, da es die Schüler den ganzen Tag begleitet und die Architekten verpflichtet, die Struktur der Schulen für das Wohlbefinden ihrer Bewohner neu zu gestalten.

 

Dossier 4
Andreas Nentwich
Schwimmen, träumen, chillen im Landschaftspark
Mit dem Zürcher Bad Allenmoos begann das goldene Zeitalter des Freibäderbaus

Zusammenfassung
Anders als bei den Freibädern der frühen Moderne mit ihren axial aufgereihten Becken und undifferenzierten Freizeitflächen verteilen sich die Funktionen des Allenmoos auf eine komplex ausgestaltete Parklandschaft. Die räumliche und akustische Entflechtung nimmt Ideen der Volksgesundheit auf, wie sie 1935 in der richtungweisenden Zürcher Ausstellung «Das Bad von gestern und heute» formuliert worden waren. 1939 als identitätsstiftende Mitte für drei wachsende Randquartiere eröffnet, sollte es als Familienbad neuen Typs der Regeneration des ganzen Menschen dienen – neben Sport und Spiel trat die «Musse». Singulär, zugleich exemplarisch für den umgebungssensiblen «Schweizer Weg» der Moderne ist die Architektur von Werner Max Moser und Max Ernst Haefeli, die organische Elemente ins Sachliche interpretiert. Der Zürcher Gartengestalter Gustav Ammann realisierte das Allenmoos als Arboretum, die Becken zwischen Stauden versinken lassend, als seien sie natürliche Teiche. Zusammen mit Max Frischs Letzigraben-Bad, dessen Park er ebenfalls anlegte, setzte das erste Parkbad der Schweiz Massstäbe selbst für Nachkriegsdeutschland. Noch in den «Badelandschaften» von Hallenbädern der 1970er Jahre sind die Schweizer Vorbilder erkennbar.

 

Dossier 5
Tilo Richter
Raum und Form, Ornament und Material
Jugendstilarchitektur in der Schweiz

Zusammenfassung
Um 1900 zeigen sich vor allem in den urbanen Zentren und in den Reiseregionen Reflexe des europäischen Jugendstils, der nicht nur eine Erneuerung der Formensprache initiierte, sondern bald auch neue Raumprogramme und Bautechniken für sich in Anspruch nahm. Beispiele aus Zürich und Basel, Bern und La Chaux-de-Fonds zeigen, wie der späte Historismus von Heimatstil und Reformarchitektur abgelöst wird. Insbesondere der Einfluss bildender Künstlerinnen und Künstler ist wesentlich, ihre neuen Dekore prägen das Erscheinungsbild und damit den Charakter der um 1900 entstandenen Gebäude. Renommierte Protagonisten wie der Engländer Mackay Hugh Baillie Scott oder der Österreicher Joseph Maria Olbrich haben Spuren in der Schweiz hinterlassen. Herausragende Beispiele für den Schweizer Jugendstil gehen vielfach auf Entwürfe von Karl Moser und Robert Curjel zurück, etwas bei den Pauluskirchen in Basel und Bern oder bei den einen neuen Typus verkörpernden Stickereigeschäftshäusern in St. Gallen.

 

Dossier 6
Sara Ellenberger Vaner, David Vaner
Pflege im Bestand
Modularer Holzbau aus dem 16.Jahrhundert

Zusammenfassung
Der Erfahrungsbericht zur Sanierung des «Anselmhuis» veranschaulicht den Vorgang der handwerklichen Pflege eines 1556 erbauten Lötschentaler Strickbaus. Er zeigt anschaulich, welches architektonische Potenzial in guten Materialien, sorgsam gefügten Konstruktionen und speziell auch in deren Pflege liegt. Die Sanierung zollt dem Handwerk Respekt und stellt einen überaus zeitgemässen Umgang mit traditionellen Konstruktionen im Alpenraum beispielhaft dar – so kann das Beispiel des «Anselmhuis» im besten Fall zum Nachahmen anregen, um vergessene und vermeintlich veraltete Bausubstanz im Kreislauf nachhaltig zu reaktivieren, den hohen Stellenwert des Handwerks in die Zukunft zu tragen und damit gleichzeitig einen Beitrag gegen die Zersiedelung der Landschaft zu leisten.

 

Dossier 7
Jachen Könz
Dighe e percezione del paesaggio alpino nell’antropocene
Nuovi equilibri

Zusammenfassung
Staudämme und die Wahrnehmung der alpinen Landschaft im Anthropozän
Der Bau eines Staudamms bedeutet einen massiven Eingriff des Menschen in die Natur, der nicht nur eine Betonbarriere in einem Tal schafft, sondern auch das gesamte Ökosystem durch die Schaffung eines künstlichen Sees stark beeinflusst. Dämme werden nach ingenieurtechnischen und wissenschaftlichen Gesetzen gebaut – visuell gesehen stehen wir vor einer imposanten vertikalen Wand, hinter der sich eine horizontale Wasserfläche erstreckt. Einerseits werden diese monumentalen Bauten zu einem Teil des ökologischen Systems und beeinflussen sein Gleichgewicht – andererseits zu einem Symbol bautechnischer Fähigkeiten des Menschen, welche die Ästhetik der Landschaft und die Wahrnehmung derer, die sie nutzen, grundlegend verändern.

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Nicole Pfister Fetz, lic.phil.I, Präsidentin GSK
Billet de la présidente
Saatgut

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Saskia Ott Zaugg
Rückblick auf die virtuelle GV der GSK
Die GSK hielt ihre 140. und 141.Jahresversammlung als Doppel-GV ab – und das auf Zoom. Überraschend viele Personen folgten der Einladung und erlebten am 24.April 2021 eine lebendige und filmisch aufgelockerte Mitgliederversammlung.

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Acht Kriterien für eine hohe Baukultur
Davos Qualitätssystem für Baukultur

Das Davos Qualitätssystem für Baukultur verfolgt einen differenzierten Ansatz, um das ganzheitliche Konzept einer hohen Baukultur zu definieren und die baukulturelle Qualität von Orten zu beurteilen. Im Mai 2021 hat das Bundesamt für Kultur BAK ein Manual mit den acht zentralen Kriterien dazu veröffentlicht.
Infos: www.bak.admin.ch/bak/de/home/baukultur/qualitaet/davos-qualitaetssystem-baukultur.html

 

Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Von Parks, Palästen und Pfahlbauten
Die Schweizerischen Kunstführer SKF punkten auch beim Thema «Natur und Architektur». Wir stellen Ihnen eine Auswahl von bewährten und neuen «Reiseführern» für Ihre Ausflüge im Sommer 2021 vor!

 

Ausstellungen | Expositions | Esposizioni
Videokunst im Schloss Spiez
Mit «GHOSTS» zeigt das Schloss Spiez 2021 zeitgenössische Videokunst von Peter Aerschmann. Aufgrund einer umfassenden Fassadensanierung eine ideale Lösung, um die verfügbaren Räumlichkeiten mit seinen Werken zu bespielen.

 

Auslandreisen | Voyages à l’étranger | Viaggi all’estero
Die Strasse der Romanik
Entdeckungen im Land der Ottonen

 

Bücher | Livres | Libri

  • Une Suisse exotique ?
  • Wider das Verschwinden der Dinge
    Die Erfindung des Denkmalinventars

 

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Preis
CHF 20.00
GSK-Mitgliederpreis
CHF 14.00
Typ:
Buch
Abbildungen
119
Seitenzahl
76
Autoren
Diverse
Artikelnummer
K+A-2021.2
Inhaltssprache
Deutsch
Französisch
Italienisch
Erscheinungsdatum
ISBN
978-3-03797-726-2
Bandnummer
72. Jahrgang, 2.2021
Verlag
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte